Hervorgehobener Beitrag

Die Vinothek – Der Weinblog

Natürlich werde ich hier auch immer mal wieder Weine aus dem Sortiment meiner Vinothek vorstellen. Schließlich trinke ich ja die Weine, die ich verkaufe, selbst gerne. Sonst hätte ich sie nicht im Programm. Aber die Welt der Weine ist so groß, da wäre eine Beschränkung auf mein doch überschaubares Sortiment viel zu schade. Der Schwerpunkt dieses Blogs werden Verkostungsnotizen „quer durch den Garten“ der Weinwelt einnehmen. Weiterhin werde ich von  Weinproben, Weinevents und Besuchen und Reisen zu Weingütern berichten. Ich hoffe natürlich, dass ich mit meinen Beiträgen Dein/Ihr Interesse finde und bin für jegliche Kommentare und Anregungen zu Inhalt und Gestaltung dankbar!

Torsten Blanke

VKN Pavie-Macquin 2007 – getrunken am 17.11.2012

Bekanntlich gilt 2007 im Bordeaux ja als das schwächste Jahr im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Daher wanderte mein Budget auch nicht ins Bordeaux, sondern eher an die südliche Rhone und vor allen Dingen nach Kalifornien, wo im Napa Valley große Cabernets entstanden. Trotzdem verirrten sich ein paar Flaschen von den Ufern der Gironde in meinen Keller und eine davon musste gestern Abend daran glauben.

Im Glas ein sattes Ziegelrot, auf einen sehr jungen Wein hindeutend. Der erste Sniff am Glas war dann doch mehr, als ich erwartet hatte. Sehr satte Frucht, mehr rote als schwarze Früchte, auch noch Noten aus dem Barriqueausbau. Der Wein sprang förmlich aus dem Glas. Dem ersten Schluck nach zu urteilen, hätte es auch ein Kalifornier sein können, so fröhlich, so hedonistisch und so unverblümt die direkte Ansage dieses St. Emilions.

Etwas später kamen dann aber doch seine Anlagen etwas durch, die Säure wurde etwas prägender und die Frucht zog sich etwas zurück. Auch das im ersten Moment verdeckte Tannin lugte nun hervor und die ganze Geschichte entwickelte sich zunehmend seriöser. Das vermeintlich schwache Jahr kann ich hier nicht entdecken, einzig der Abgang könnte etwas länger sein. Ich lasse die nächste Flasche auch noch etwas reifen. Dieser wirklich schöne St. Emilion ist mir 91 Punkte wert.

Eine geniale Kombination war grobe Bratwurst mit Kartoffelgratin und in Sahne geschmorter Spitzkohl.

VKN Domaine Gravallon Morgon 1985

Ohne große Erwartungen öffnete ich diese Flasche, die einem mixed Lot einer Weinauktion entstammte. Nur der sehr gute Füllstand von ca. 5 cm ließ hoffen. Der Korken war vollständig durchfeuchtet, kam aber in einem Stück heraus.

Im Glas hatte ich dann einen sehr hellroten Wein mit deutlich orangen Rändern. Überraschend schön dann die Nase: Himbeeren, heller Tabak und Herbstlaub prägten den Geruch. Am Gaumen beeindruckte sofort die tolle Harmonie. Total abgeschmolzenes Tannin, der Wein glitt ganz sanft über Zunge und Gaumen. Auch im Geschmack wieder Himbeeren, verwoben mit den Tabaknoten und leichten Alterstönen, die ich aber eher angenehm als störend empfand. Durchaus kräftige Säure, die das Trinkvergnügen aber kaum schmälerte. Einzig der etwas kurze Abgang verhinderte eine noch höhere Punktzahl. Überzeugende 88 Punkte.

Völlig verblüffend für mich die Tatsache, dass der Rest in der Flasche am nächsten Tag noch einmal gar etwas zulegen konnte. Ein parallel getrunkener Rotwein aus dem Languedoc war dagegen ein erschlagender Wein, von dem ich nicht mehr als einen Schluck trinken konnte.

Ich habe zwar schon öfter gehört, dass Rotweine aus dem Beaujolais gut altern können. Das dann selbst zu erleben, ist allerdings etwas völlig anderes. Toll!

VKN Faiveley Nuits St. Georges Clos de la Maréchale 1976

Heute gibt es einen weiteren gereiften Burgunder aus dem mixed Lot. Der etwas sperrige Name bezeichnet eine Weinlage aus der Nachbargemeinde von Nuits St. Georges, Prémeaux-Prissey. Diese Weinlagen sind überwiegend Monopollagen, das heißt, sie werden jeweils komplett von einem Weingut bewirtschaftet. Sie dürfen kurioserweise die bekanntere Bezeichnung Nuits St. Georges tragen. 50 Jahre lang erzeugte Faiveley Weine aus dieser Lage, bis 2003 der Pachtvertrag endete und Mugnier die immerhin 9,76 Hektar großen Parzelle übernahm.

Der Korken ist komplett durchfeuchtet, läßt sich mit etwas Geschick aber in einem Stück herausziehen. Vorsichtig einen Schluck in das Glas gegeben, erscheint der Wein mit durchaus kräftiger Farbe und wenig orangen Reflexen noch sehr lebendig. Wieder eine schöne Nase mit verhaltener Frucht und viel Sekundäraromen, in den Tabakaromen dominieren. Ein Schnüffelwein! Am Gaumen dann zuerst eine kräftige Säure. Etwas Erdbeer/Himbeeraromen und kräftige Tabak – und Waldbodenaromen. Mit etwas Luft legt der Wein gar noch etwas zu. Durchaus gut zu trinken, aber ein eher rustikaler Geselle. Die Nase locker 88 Punkte, der Gaumen 85 Punkte. Man muss kein Altweintrinker sein, um diesen Wein zu mögen.

Wieder bin ich verblüfft. Habe ich einfach nur Glück oder sind selbst kleinere Burgunder so lange entwicklungsfähig? Wohlgemerkt, der Wein kommt aus einer halben Flasche! Ich werde den gereiften Burgundern weiter auf der Spur bleiben…..

http://www.die-vinothek.de/wein-aus-frankreich/wein-aus-dem-burgund.html

In Châteauneuf-du-Pape im Oktober 2012

Der Besuch bei Domaine de la Janasse ist natürlich ein Pflichtbesuch, da ich das Weingut schon einige Jahre im Programm habe. Isabelle Sabon führt mich herum und zeigt mir die Domaine. Von dem sehr bescheidenen Äußeren der Gebäude kann man nicht auf die Spitzenposition und die Bedeutung in Châteauneuf-du-Pape schließen. Immerhin bewirtschaften die Geschwister Sabon mittlerweile rund 80 Hektar in und um die AOC. Die zurückhaltenden, aber sehr freundlichen Geschwister verzichten auf jegliches, nach außen gerichtetes Marketing und man würde oberflächlich nie vermuten, dass hier einige der begehrtesten Weine aus der Region entstehen.

Während die Ernte des Jahrgangs 2012 noch nicht ganz abgeschlossen ist, wird gerade an der Assemblage des letzten Jahrgangs getüftelt. Im Vordergrund auf dem Fass stehen kleine Fläschchen mit den verschiedenen Proben. 2012 wird in Châteauneuf nicht ganz unproblematisch sein, weil es letzte Woche einiges an Regen gegeben hat, der viele Weingüter mitten in der Ernte erwischt hat.

Hier sind die neuen konischen Betontanks für die Grenache zu sehen. Die konische Form hindert den Tresterhut sich auf die Flüssigkeit zu legen. Somit bleibt er immer nass und der Austausch der Aromen und Inhaltstoffen zwischen festen und flüssigem Bestandteil der Maische ist gleichmäßiger.

Bei Janasse wird überwiegend entrappt und der Ausbau der Reben erfolgt getrennt, d.h. die Grenache wird aufgrund ihrer Oxidationsanfälligkeit im Betontank ausgebaut während Syrah und Mourvedre in kleinen 225 ltr. Barriques und in 600 ltr. demi-Muids ausgebaut werden. Erst nach dem Ausbau wird die endgültige Zusammenstellung, die Assemblage festgelegt und die einzelnen Partien werden im großen Assemblagetank zusammengeführt und von dort aus dann in Flaschen abgefüllt.

Die Weine der Domaine sind eindeutig dem modernen Lager zuzuordnen. Neben den beiden heiß begehrten Spezialcuvees „Chaupin“ und „Vieilles Vignes“ sind besonders die Cotes-du-Rhone empfehlenswert. Sie stehen vielen Chateauneuf-du-Papes nicht nach und bieten dem informierten Weinliebhaber hohen Genuß zu sehr moderaten Preis. In den meisten Jahren sticht besonders der Terre d’Argile hervor, ein Cotes-du-Rhone der Spitzenklasse für kaum 15 Euro.

VKN Nadal 2009, Domaine de Fondreche, Ventoux

Ein sehr dunkler Wein, am Rand noch mit violetten Reflexen, was seine Jugendlichkeit zeigt.
In der Nase recht aromatisch. Fruchtig-würzig mit ein schönen Holznoten, die die Syrah und Mouvedre Trauben von ihrem Barriqueausbau mitbringen.
Auch im Mund leugnet er seine Jugendlichkeit nicht. Dunkle Früchte, auch hier leichte Barriquearomen wie Kaffee und Schokolade. Insgesamt eine kühle und sehr elegante Aromatik, die aber recht lange auf der Zunge verharrt. Die Tannine sind noch recht präsent, lassen aber schon spüren dass man in ein bis zwei Jahren einen sehr harmonischen und geschmeidigen Wein in Mund haben wird. Sehr gutes Preis-Genuß-Verhältnis! 90+ AFP

Nadal 2009, Domaine de Fondrèche
Appellation Ventoux Contrôllée
14,5% Vol.
http://www.fondreche.com
Verkoster: Axel Finger